Willi Tell

Willi Tell,
dieses schwyzerische Urgestell,
ließ es sich nicht nehmen,
tagtäglich seine Armbrust dranzunehmen,
um es zu genießen,
fliegende Brötchen mit ihr abzuschießen.
Die warf der Bäckermeister in hohem Bogen
hoch, und kamen dieselben auf Telli zugeflogen,
brauchte er zum Schuss nur einen Pfeil.
Das Brötchen bröselte Teil zu Teil.
Viel Volkes schaute dabei immer zu.
Bei jedem Treffer jubelte es: "Juhuuuu !"

Als eines Tages kam Vogt Gessler angefegt.
hat jener sich gleich aufgeregt.
Ein Brötchen traf ihn nämlich voll in die Visage.
Das brachte ihn total in Rage.
Er zürnte: "He, du alter Rengel,
gleich schießte das Brötchen hier von deinem Bengel.
Und solltest du nicht richtig treffen,
machen wir weiter mit deinem Neffen.
Indess der Willi, gar nicht bange,
hob blitzesschnell die Armbrust an die Wange.
Noch eh´s der Vogt so recht begriffen,
kam Tells Geschoss schon angepfiffen.
Jäh spürte er ´nen Schmerz
so zwischen Leber, Milz und Herz.
Verröschelnd sackte er vornüber.
Trüben Auges sprach er noch: "Mein Lieber,
mach mir das Vergnügen
und lass noch mal die Brötchen fliegen."

Falk-Ansgar
2009-08-18