Vater, Sohn und Esel

Den Vater drängt´s mal wieder fort,
sich umzuschau´n an einem and´ren Ort.

Zieht los mit Sohn, den Esel in Begleite,
auf daß man auf ihm reite.

Wie immer schon, der Vater reitet,
der Sohn zur Seite ihn begleitet.

Es kommt ein Wandersmann entgegen,
beginnt sofort sich aufzuregen:

„Der Kleine ist zu zart zum Schreiten.
He, Alter, laß den Jungen reiten.“

Der Vater denkt: Na, gut, mal seh´n,
dann muß es eben anders geh´n.

So spricht er laut. Der Sohn sagt: „Ja.“
Der Esel stöhnt und schreit: „Iaaaa !“

Und so, der Junge reitet.
Der Vater ihm zur Seite schreitet.

Ein Bauersmann begleitet sie ein Stück.
Dann schreit er laut mit Zornesblick:

„Ich faß es nicht! Der Knabe sitzt,
der Vater läuft daher und schwitzt.“

Der Vater denkt: Na, gut, mal seh´n,
dann muß es eben anders geh´n.

So spricht er laut. Der Sohn sagt: „Ja.“
Der Esel stöhnt und schreit: „Iaaa.“

Doch ist er danach höchst entzückt,
weil nichts mehr seinen Rücken drückt.

Da kommt ein Müllersmann daher.
Der lacht und wundert sich gar sehr:

„Das habe ich noch nie geseh´n,
´nen Esel ohne Lasten geh´n !“

Der Vater denkt: Na, gut, mal seh´n,
dann muß es eben anders geh´n.

So spricht er laut. Der Sohn sagt: „Ja.“
Der Esel stöhnt und schreit: „Iaaa.“


„Komm, Sohnemann, nun reicht es mir.
Wir steigen beide auf das Tier.“

Ein Pfarrer sieht´s und schimpfend schreit:
„Ihr seid wohl nicht gescheit !

Wie quält ihr euren Esel nur.
Habt Mitleid mit der Kreatur.“

Der Vater denkt: Na, gut, mal seh´n,
dann muß es eben anders geh´n.

So spricht er laut. Der Sohn sagt: „Ja.“
Der Esel stöhnt und schreit: „Iaaa.“

Sie kommen beide zu dem Schluß,
daß man den Esel tragen muß.

Sie nehmen sich ein Brett wo her
und legen drauf den Esel quer.

So schleppen sie sich übers Land,
viel Volks kommt angerannt.

Am Ende sperrt man beide ein.
Wer einen Esel trägt, muß irre sein.


Der Vater grübelt hin und her:
„Versteh´ nun überhaupt nichts mehr.“

Falk-Ansgar
2006-02-03
neu: 2015-09-05