Morgenstund´ hat Gold im Schlund

Meine Oma, die eigentlich ein Opa ist, weil sie so viele Haare auf den Zähnen hat,
stand frühmorgens ziemlich spät auf der Türkante und begehrte Einlauf. Kaum
hatte sie sich im Wohnzimmer plaziert, versah sie mich mit den heftigsten Auswürfen.

„Hattest du nicht versprochen, mir beim Möbelrücken in die Seite zu treten ? "

Ein Mordsschrecken durchflog mein Gemüt, weil mir mein Gedächtnis so total
auf den Leim gegangen war. Hastig versuchte ich meine Oma, die eigentlich
ein Opa ist, auf Sänfte einzustellen.

Ich versuchte, mich auf die äußerste Kalamität durchzuwringen und sprach:
„Oma, schau doch erst einmal, wo die Stunde eingeschlagen hat. Stehst hier
einfach so auf der Matratze und übersiehst dabei augenfällig, dass der Morgen
überhaupt noch nicht gegraut hat."

„Spielt das etwa in die Vollen", polterte sie, „versprochen ist erbrochen.
Pack sofort deine lieben Sachen und dann ab mit mir durch den Mittag."

Was blieb da von mir noch übrig ?

Gleich machte ich mich mit meiner Oma, die aus besagten Abgründen ein
Opa ist, querbeet des Weges zu ihr nach Hause und half ihr dort aus Liebeskräften.

Falk-Ansgar
2008-10-11