Beinahe zum Mörder

Ich habe eigentlich nie begriffen, wie man
zum Mörder werden kann.
Doch neulich – es fehlte eine Klitzekleinigkeit -
war ich fast so weit,
als ich beim Discounter nahe bei der Kasse stand
und sich vor mir ein alter Knacker befand,
der in einem plötzlichen Anfall des Erinnerns wie besessen
den Ruf ausstieß: „Ich habe den Käse vergessen !“,
sich rückwärts drängte an uns Wartenden in der Schlange,
vorbei ins Ladeninnere verschwand – und wir warteten lange.
Dann endlich – er wieder da – als es ans Bezahlen ging
er nach seinem Portmonee an zu suchen fing.
In mir begann der Puls zu toben,
doch muss ich im Nachhinein meine Sanftmut loben.
Dann hörte ich ihn – nach seinem Gelddings fassend -
sagen: „Ich glaube, ich habe es passend.“
Und fing an, mit lahmarschiger Behendigkeit
sein Kleingeld hinzuprummeln der Kassenmaid.
Und klimperte und zählte, und klimperte und zählte,
bis ihm auffiel, dass ihm ein Centstück fehlte,
er alles wieder zusammengrapschte
und es zurück in die Börse matschte.
Dann erklärte er lächelnd – und schaute in die Menge rein -
„Ich habe leider nur einen 200-Euroschein.“
Und schaute bequemlich, wie die Kassiererin seine Erwartung stillte,
die Kassenlade mit reichlich Wechselgeld noch füllte.
Nun konnte ich mich kaum noch fassen,
dem Kerl einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.
Die Leute hinter mir bewahrten zum Glück
den Manne vor mir vor diesem Geschick,
denn für den wohlkalkulierten vorgesehenen Treter
hätt´ ich gebraucht einen Anlauf von circa 20 Meter.
So musste ich den Alten unbeschädigt lassen wider Willen,
aber nahm mir vor, ihn gleich beim nächsten Mal zu killen.

Falk-Ansgar
2010-07-09