Und lässt die Luzie fliegen

Sitzt neben seiner Frau im Opernsaal.
Was auf dem Spielplan steht, ist ihm egal.
Jedoch, dass er bequemlich sitzen kann,
ist das, worauf er kann.
Kaum hat der erste Akt begonnen,
fühlt er sich innerlich benommen.
Indem er schlaff zusammensackt,
ein dämmervoller Schlaf ihn packt.
Aus seinem weitgesperrten Mund
dröhnt es wie Motorcross im Untergrund.
Das ehrenwerte Publikum ist höchst empört,
fühlt sich in seinem Hochgenuss gestört.
Schon ist die Stimmung aufgemischt,
es wird geräuspert wie gezischt.
Nur einer, der kein Hörgerät im Ohr,
tut sich durch lautes Bravorufen vor
berauscht im Glück,
dies sei der Höhepunkt vom Stück.
Doch drumherum
ist weiter ärgerliches Murren und Gebrumm

Allein der Schnarcher ist zufrieden
und lässt im Traum die Luzie fliegen.


Falk-Ansgar
2016-03-01