Die Glocke

"Hoch lebe Glocke Kunigunde,
erwecke uns zu jeder Stunde !

Nicht nur bei Sonne, auch bei Regen
soll sie uns durch den Tag bewegen,
beflügeln uns auf allen Wegen,
bis wir uns tot zu Grabe legen.

Hoch lebe Glocke Kunigunde,
erwecke uns zu jeder Stunde ! "


Wir Männer von der Feuerwehr
beschlossen, eine Glocke, die muss her,
weil so ein Stück im Allerlei
für vieles höchst von Nutzen sei.

Wie freuten wir uns miteinand´,
als dieses Dings einst vor uns stand.
Wie machten wir da einen druff,
wir gingen auch noch übern Puff.

Ich bin der erste, der da rennt,
wenn nebenan ein Feuer brennt.
Halt´ mich von keinen Flammen fern,
ich lösche für mein Leben gern.

Sitz´ auf dem Lokus für mich hin,
rein nichts zu machen, ist mein Sinn.
Da plötzlich Kunigunde schallt.
Nur schnell die Hose hochgeschnallt.

Schon kommt der Löschzug angebritzt,
auf dem der Spritzenhauptmann sitzt.
Der kommt hier stets vorbeigesaust,
wenn nebenan ein Feuer braust.

Oh, nein, es ist mein Schuppen, der da brennt,
worin mein ganzes Viechzeug pennt,
das Tag für Tag und immer frisch
beliefert uns den Mittagstisch.

Ergieße dich, oh Wasserstrahl,
auch wenn ich nass werd´ , ist egal.
Doch merke ich, es ist zu spät.
Ein letztes mal der Hahn noch kräht.

Die Mutter meinte kühl
fast gänzlich ohne Mitgefühl:
"Nun denn, wir machen es wie Tante Uschi
und essen beim Japaner Sushi."


Falk-Ansgar
2001-11-02