Der Taucher

Zang ! Warf die Majestät den Becher in die Flut
und rief: „ Wer hat von euch den Mut,
ihr Kumpels in der Runde,
das Dings zu holen von des Meeres Grunde ?

Bei diesen Worten wurden alle blass.
Denn keiner hatte Lust, mit so´nem Sprung ins Nass
sein Leben zu riskieren
und es wohlmöglich zu verlieren.

Denn klippwärts drunter wirbelte und wabbelte es,
und auch von teuflichen Krabben krabbelte es.
Und jeder dachte: „ Darein zu springen, in dies Gewimmel ?
Da hat wohl unser König ´nen Fimmel ! “

Der König listig: „Die Tat wird sich für jeden trefflich lohnen,
der holden Tochter mein aufs liebevollste beizuwohnen !“

Nun endlich trat ein schlanker Jüngling für
und sprach: „Dann mach´ ich halt die Kür.“
Und sprang in hohem Bogen
in die meterhohen Wasserwogen.

Gleich hörte auf des Meeres Toben.
Es blubberten nur noch Blasen nach oben.
Da sprach der König ziemlich enttäuscht:
„Jetzt ist doch der Kerl mit dem Becher entfleucht.
Nun denn, beim nächsten Becher, den werf´ ich hinein,
werd´ ich wohl etwas klüger sei.
Ich binde das Dingens mit ´ner Kordel fest,
fürn nächsten, falls der den Becher fallen lässt.“

Doch plötzlich schnellte der Jüngling aus den Fluten empor.
„He is noch alive“, schrie man ihm Chor.
Der König tönte: „Komm her an meine Brust.
Jetzt darfste die Tochter knutschen nach Herzenlust.

Der Jüngling sprach: „Ich hab´s mir anders überlegt.
Nicht deine Tochter ist´s, die mich erregt.
Du hast doch auch noch einen süßen Sohn.
Den schenk´ mir bitte als Finderlohn.“

Falk-Ansgar
2010-02-17