Der Heiligenschein

Der brave Herr Pasti erwachte so gegen acht,
auf nichts zu sinnen rein bedacht.

Dann schaute er in den Spiegel rein
und sah, er hatte einen Heiligenschein.

Er schloss die Augen und öffnete sie wieder,
da fuhr ihm der Schrecken in die Glieder.

Wild schüttelte er den Kopf von hier nach dort,
jedoch das Dingens ging nicht fort.

Nun versuchte er den Heiligenschein zu fassen,
doch ließ der sich nicht fassen lassen.

Er nahm ein Duschbad hoffend, dass er
sich fortspülen ließ´ mit Wasser.

Indessen folgte schnell ihm die Erleuchtung,
es funktioniert nicht mit Befeuchtung.

Wie seine Gattin ihn so hat erblickt,
dachte sie zunächst, sie sei verrückt.

Doch griff sie mutig nach ´ner Fliegenklatschen,
mit der mit der das Dingens zu zermatschen.

Jedoch war jeder Schlag ´ne Pleite,
das Dingsbums flutsche stets beiseite.

So traf sie denn bei ihrer Hatze
halt einfach nur des Gatten Glatze.

Geriet so mehr und mehr in Rage und empörte sich,
ein Heiligenschein für einen Ehemann gehörte sich nich´.

So quengelte sie und packte ihre Sachen,
sie wolle ein paar Tage bei Mutti Urlaub machen.

Er beschloss hingegen, einen Psychiater aufzusuchen,
der könne es ja mal mit seiner Kunst versuchen.

Um unterwegs bloß keinen der Passanten zu erschrecken,
versuchte er, das Dingens unter seiner Mütze zu verstecken.

Kaum zog er jene aber über,
entschwebte es so etwa 20 cm drüber.

Der Psychiater meinte, nach einigen gravierenden Sünden,
würde die Erscheinung von alleine verschwinden.

Und schlug vor, die Erleuchtung dadurch wegzukriegen,
sich in einem Freudenhause zu vergnügen.

So begab sich Pasti schnell
ins nächstgelegene Bordell.

Da waren sie von seiner Erscheinnung völlig hingerissen.
Eine von den Pussis hat sich sofort auf das nächste Bett geschmissen.

Kurz bevor es zum eigentlichen Akte kam,
der Heiligenschein eine kleinere Gestalt annahm.

Als strammer Ring, dicht angeschmiegt,
umfasste der das stolze Glied.

Kam Pasti aus dem Freudenhaus halb tot
mit einem Heiligenschein in Purpurrot.

Verzweifelt meinte er, aus seinen Nöten,
da hülfe eigentlich nur noch zu beten.

Worauf er in die nächste Kirche eilte,
wo ganz per Zufall auch der Bischof weilte.

Der ging mit Pasti überein, ein Heil´genschein
sei wenig kleidsam und könne auch recht peinlich sein.

Im Beichtgestühl gab er dem Ärmsten dann ein Zeichen,
wie er ein Ausseh´nswechsel könne schnell erreichen.

Nach einer maßgerechten Spende
an den Vatikan, da nähm´ sein Leid abrupt ein Ende.

Da legte Pasti schnell, d.h. ad hoc,
so 1000 € in den Opferstock.

Und versprach noch weitere Spenden hoch und heilig.
Danach allerdings hatte er es ziemlich eilig.

Er eilte vors nächste Schaufenster hinne und erbebte:
Ein doppelter Heiligenschein nun über seinem Haupte schwebte.


Falk-Ansgar
2010-05-02