Der Gladiator

Voll Ungeduld der Gladiator in der Mitte der Arena stand,
auf seinen nächsten Gegner höchst gespannt.
Dann justament um Zwölfe, um die Mittagszeit,
kam der gerannt, wie er zum Zweierkampf bereit.
Die beiden kloppten sich so Hieb auf Hieb,
bis einer, nämlich der andere, liegenblieb.
Das Gladiator wartete auf des Cäsars Zeichen.
Der ließ sich wider Erwarten weich erweichen
und zeigte, mit dem Daumen nach oben gerichtet,
der Niedergestreckte wird heute mal nicht vernichtet.
Zwar war das Publikum von diesem Edelmut ergriffen
und hatte begeistert Applaus gepfiffen,
jedoch der Gladiator war doch ziemlich erbost
und dachte: "Mein Cäsar ist wohl nicht bei Trost."
Denn augenblicklich ward ihm klar,
dass es Essig war mit dem Erfolgshonorar.
Normalerweise war der Kaiser äußerst kleinlich
im Zeigen von schwächlichen Gnadenzeichen.
Der betrachtete nämlich nichts lieber als Leichen.
So nahm sich der Gladiator abends vor in seiner Zelle:
"Morgen mach´ ich einen auf die Schnelle.
Bevor der Dämel noch richtig seinen Daumen gezückt,
hab´ ich meinem Gegner schon die Gräten zerdrückt."

Falk-Ansgar
2008-12-26