Der Fischer und seine Frau

Echt hässlich war des Fischers Frau, zudem
in ihrem Wesen äußerst unangenehm;
denn Neid und Gier bewegten sie,
Besitz und gutes Leben anderer errregten sie,
wobei sie doch wohl hätte zufrieden sein können,
um nur einmal den fleißigen Ehemann zu nennen.
Doch war sie es mitnichten.
Sie plante eifrig, sich vornehmst einzurichten,
um mal der Nachbarschaft zu demonstrieren,
man könne mit ihr sehr wohl konkurrieren.
Mit ihrem ewigen Gemecker und Gestänkel
ging sie ihrem Gatten mächtig auf den Senkel.
Und so
auch so
als sie so sprach: "Nun guck nur mal,
die Wand hier ist doch ziemlich kahl.
Wie wär´ ihr Anblick wunderschön,
würd´ vor ihr ein dickes Cello steh´n.
Lauf runter an den See,
vermelde meinen Wunsch dem Timpetee,
er solle mal wieder´n Wunder tun
und den mir zu Gefallen tun.

Alsbald begab sich der Fischer an des Gewässers Ufer
und betätigte sich als Rufer:

"He, Matjes, Matjes hier im See,
mach´ nochmal deinen Dreh´.
Denn meine Frau, die Ilsebill;
will wieder mal, was ich nicht will."


Voll grimmigen Blickes aus dem See
erschien sich Matjes Timpetee
und fragte harsch: " Was willse
denn diesmal deine Ilse ?"

"Ach, Matjes, du siehst mich hier verzweifelt an des Teiches Rand.
Jetzt willse ein Streichinstrument für an die Wand."


Ließ Timpe sich vernehmen: " Schon gut, mein Sohn,
mach auf dich nach Haus´, sie hat es schon."

Indem er mit Zweifel in der Brust das Haus betrat,
sah er, der Matjes hatte Wort gehalten, in der Tat.
Seine Eheweib stand da, mit ´nem Pinsel in der Hand,
und strich unter Gestöhne die Zimmerwand.

Falk-Ansgar

2008-08-10