Das Missverständnis

Zwar von Geburt höchst adelig,
ist schaffensmäßig sie untadelig:
Baronin Clara v. Lotterstetten
schrubbt selbst im Schloss die Toiletten.

Gar fröhlich singt sie noch dabei.
Was Leute reden, ist ihr einerlei.
Und im Salon, umringt von ihren Gästen,
gibt Einzelheiten sie zum Besten.
Klar ist die Hörerschaft aufs Peinlichste berührt,
weil die Baronin sich so wenig ziert.
Jedoch, wie das so ist in feinen Kreisen,
man lässt sich mimikmäßig nicht entgleisen
und prostet der Baronin zu,
obwohl man denkt: „Du Ferkel, du !“

Doch neulich ist´s dann doch passiert,
dass man die Contenance verliert.

Just schildert Clara ungeniert,
wie sie soeben eine Rohrverstopfung repariert,
mit eig´ner Hand
von hoch vom Beckenrand,
sieht man Frau v. Humperdinken
geschockt aufs nahe Sofa sinken.

Baronin Clara steht parat,
weiß sich auch guten Rat.
Spricht leise auf die Feine ein:
“Sie könnten etwas schwanger sein. -
Oh je - die Schläfen sind so heiß.
Da hilft nur eins, ich weiß:
Ich muss sie mit Toilettenwasser kühlen,
dann werden Sie sich besser fühlen.“

Die Humperdinken röchelt laut,
drauf hat sie völlig abgebaut……..
Des öfteren noch zu Gast gebeten,
hat sie das Schloss nie mehr betreten.

Falk-Ansgar
2004-04-28